Altenhainer Allee 17
Wasserwerk Einsiedel

 

Einleitender Hinweis:

Diese Seite stellt eine Ergänzung zur Seite Talsperre dar, einzelne Datumsangaben, die auf beide Bauwerke zutreffen, sind hier nicht noch einmal gesondert aufgeführt.

 

Das Wasserwerk Einsiedel – für die Aufbereitung des Wasser zuständig - ging am 14. Juni 1894 in Betrieb und war damit das erste Talsperrenwasserwerk im Königreich Sachsen.
Weiter steigende Einwohnerzahlen in Chemnitz (1913: 300.000) und eine gigantische Industrialisierung machten schon bald Modifizierungen, Erneuerungen und einen Ausbau des Filtersystems nötig.

Rechts eine Ansichtspostkarte, gelaufen am 12. August 1903.
Sie zeigt uns im Vordergrund die vor der Staumauer liegenden Filterhäuser mit ihren schönen Zinnen im oberen Abschlussbereich. Wenige Jahre später sollten hier die ersten Erweiterungen folgen, da die ursprüngliche Kapazität der Filter bald hinten und vorne nicht mehr ausreichte.

Auch die Speicherkapazität der Talsperre Einsiedel wurde bereits in den ersten zehn Jahren der 20. Jahrhunderts dem Verbrauch der Stadt Chemnitz nicht mehr gerecht. Diese baute ihr Wasserversorgungssystem alsbald mit den Talsperren Neunzehnhain I und II sowie der Talsperre Saidenbach aus. 1968 kam noch die Talsperre Rauschenbach dazu. Nach wie vor wird das Rohwasser dieser Talsperren in Einsiedel aufbereitet und über ein bergbaulich angelegtes Stollensystem dieser zugeführt (“Talsperrensystem mittleres Erzgebirge”).
(Foto: Thomas Schwebe)

Etwa 1892/93
Der Bau der Filteranlagen. Im Hintergrund erkennen wir die wachsende Staumauer.
(Foto: Thomas Schwebe)

1893
Bei seinem Besuch der Baustelle der Talsperre am 13. Juni besichtigt König Albert selbstverständlich auch die im Bau befindlichen Wasserwerksanlagen.
(Foto: Thomas Schwebe)

1894
Am 14. Juni erfolgt die Inbetriebnahme des Einsiedler Wasserwerks zeitgleich mit Einweihung der Talsperre. Die anfängliche Kapazität lag bei 4.500 m³ am Tag.

Das anfängliche Filtersystem: Um Trinkwasserqualität zu erreichen, floss das Wasser (0,1 m³/h) durch drei überwölbte Filter mit insgesamt 2.058 m² Filterfläche. In den drei kleinen Häuschen, welche über die Filter gebaut waren, befanden sich Wasserschieber, Wasserstandsanzeiger und Entleerungseinrichtungen. Gewaschener Sand, 1 Meter hoch und wiederum auf einer 40 cm hohen Kiesschicht ruhend, diente als Filtermaterial. Auch der Sand musste regelmäßig gewaschen werden, dafür gab es eine Sandwaschmaschine mit Petroleummotor. Auf den beiden Fotos oben erkennen wir in dem länglichen Häuschen die Sandwäsche und vis-á-vis die drei Filter. War das Wasser fein genug gefiltert, kam es in einen 2.200 m³ großen Reinwasserbehälter. Durch ein Stollensystem mit natürlichem Gefälle trat das Wasser von hier aus schließlich seine “Röhrenfahrt” nach Chemnitz an.
(Fotos: oben links Jürgen Krauß, oben rechts Thomas Schwebe)
 

1906 bis 1908
wurden 6 weitere Langsamfilter errichtet, man erreichte dadurch eine Kapazitätserweiterung auf 12.500 m³ am Tag. Die gesamte Filterfläche beträgt jetzt 6.120 m².
Ebenso geht im Jahre 1908 die Talsperre Neunzehnhain I in Betrieb.

 

1914
entstand die rechts abgebildete Filterhalle mit 5 Vorfiltern der Bauart Reisert (Schnellfilter) und einer Filterfläche von 200 m². Durch diese Vorfilterung erhöhte sich der Wasserdurchtritt bei den Sandfiltern und brachte schließlich eine Kapazitätserweiterung auf 24.000 m³ am Tag.

Die Talsperre Neunzehnhain II geht in Betrieb.

1915
Am 5. Juli lief die nebenstehende Karte als Feldpost. Die erweiterten Filteranlagen, nunmehr auch diesseits der Altenhainer Straße, sind gut zu erkennen. Die Filterhalle, hier nicht sichtbar, befindet sich links oberhalb der Filterhäuschen.

1928
werden acht weitere Schnellfilter gebaut.
Die Filterfläche aller 13 Vorfilter beträgt jetzt 520 m². Man reagiert damit auf eine Überleitung aus dem Rain- und Röthenbach, die den Wasserzustrom wesentlich verstärkte. Durch die zusätzlichen Filter erweitert sich die Kapazität auf 60.000 m³ am Tag.

Der Bautrupp auf den rechten Foto befindet sich hier allerdings vor den Filterhäusern der allerersten Generation.
Man beachte, wie diese im Laufe vom über 30 Jahren mit Efeu zugewachsen sind (was freilich gewollt war...).
(Foto: Jürgen Krauß)

1933
Die Talsperre Saidenbach geht in Betrieb. Damit wird der geplante Talsperrenverbund Saidenbach bis Einsiedel fertig gestellt.
 

1942
ist die Umrüstung der “Reisert-Schnellfilter” auf das Modell WABAG vorgesehen. Indes lässt die laufende Kriegswirtschaft keinerlei Kapazitäten dafür frei und somit unterbleibt die Umrüstung vorerst.
 

1945
In den Mittagsstunden des 14. Februar wurde ein alliierter Luftangriff auf Einsiedel geflogen. Eines der Hauptziele, die Talsperren-Staumauer wurde verfehlt, wohl aber Zerstörungen an den Filteranlagen des Wasserwerkes verursacht. Einen unbeschreiblichen Wassernotstand brachte schließlich der Angriff vom 5. März, der weitere erhebliche Zerstörungen verursachte. Unten zwei Fotos (Ingobert Rost) von den zerstörten Filteranlagen.

Rechts die am 14. Februar 1945 schwer beschädigte Filterhalle auf einer Zeichnung von Walter Viertel (obere Bildhälfte). Daneben wurde auch der Reinwasserbehälter stark in Mitleidenschaft gezogen und fünf von neun Langsamfiltern wurden total zerstört (untere Bildhälfte).
Zwei der zerstörten Langsamfilter konnten provisorisch wieder instand gesetzt werden, so dass täglich 30-35.000 m³ bereit gestellt werden konnten. So Strom da war, konnten in Altchemnitz noch 15.000 m³ gefördert werden.
Nach Beseitigung der gröbsten Schäden am Leitungssystem konnte der Bedarf der Stadt Chemnitz (deren Bevölkerung um 70.000 Einwohner zurückgegangen war), recht gut gedeckt werden.

1946
begann die Umrüstung auf die WABAG-Schnellfilter, die sich bis 1957 hinziehen sollte.
 

1957
Die 1946 begonnene Umrüstung auf 16 WABAG-Schnellfilter mit 640 m² Filterfläche bringt eine Kapazitätserweiterung auf 72.000 m³ am Tag.

Links: Die instand gesetzte Filterhalle in den 1960er Jahren.
(Foto: Hans Morgenstern)


1958

Der Wasserbezug aus der Saidenbachtalsperre wird zeitweise eingestellt. Eine starke Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion im dortigen Einzugsgebiet lässt den Nährstoffeinträge im Boden rasant steigen, die Wasserkreisläufe führen diese der Talsperre zu und dort beginnt ein starkes Algenwachstum, was letztendlich die Filter in Einsiedel in kurzer Zeit verstopft.
Man experimentiert mit Mikrosiebfiltern, um das Plankton abzusieben, was letztendlich erfolgreich ist.
 

1963
beginnt man mit der Errichtung einer Großanlage mit Mikrosiebfiltern, damit einher geht eine vorläufige Kapazitätserweiterung auf 80.000 m³ am Tag.
Das Foto unten links zeigt Staumauer und einige der alten Filterhäuschen Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre. An gleicher Stelle steht heute die Pumpenhalle (unten rechts, 22. März 2009)
(Foto unten links: Hans Morgenstern)

1965
Die Mikrosiebfilteranlage wird voll in Betrieb genommen und erlaubt eine Kapazitätserweiterung auf 108.000 m³ am Tag.
 

1967
wird mit dem Anbau eines Leitstandes (Schaltwarte) an die Filterhalle begonnen. Die Arbeiten werden im gleichen Jahr fertig gestellt. Der Bau sah (...und sieht noch heute) recht markant aus und hat mit allgemeiner “DDR-Industrie-Architektur” nichts gemein.
Unten links sehen wir die Filterwärterin Frieda Stephan 1970 im Schaltraum des Leitstandes. Unten rechts der Leitstand von außen, so gesehen am 22. März 2009.
(Foto unten links: Rainer Stephan)

1966/67
Eine Chemikalienstation wird in Einsiedel in Betrieb genommen.

1968
geht die Talsperre Rauschbach in Betrieb.
 

1975
Inbetriebnahme des Pumpwerkes im Wasserwerk mit Förderrichtung Schenkenberg.
 

1978
Durch Mehrschichtfiltration gelingt eine Kapazitätserweiterung auf 150.000 m³ am Tag. Dazu wurden die vorhandenen WABAG-Schnellfilter von Ein- auf Mehrschichtfilter umgerüstet. Die neue hohe Kapazität übersteigt die Rohwasserzuführung durch das Stollensystem und kann nun zur Deckung von Höchstverbräuchen eingesetzt werden. In einem solchen Falle würde aber am Wasservorrat der Einsiedler Talsperre gezehrt.
 

1979
Nach Inbetriebnahme einer Fluoridierungsanlage (die damals als Modernste in Europa galt) wurde die Belegschaft am 1. Mai mit dem Orden “Banner der Arbeit”, Stufe 1 (...die Höchste) ausgezeichnet.
(Foto: Rainer Stephan)

Fluor wurde dem Trinkwasser in Einsiedel aber bereits seit 1959 beigegeben (1 mg je Liter). Dies war seinerzeit ein Novum und lange Zeit war es das einziger Wasserwerk in der DDR, wo so etwas geschah.
Die Fluorbeigabe erfüllte keinen Selbstzweck, sondern half nachweisbar, die Zahnkaries vor allem bei Kindern zurück zu drängen.

1992 bis 1994
werden rund 11 Mio. DM im Einsiedler Wasserwerk für die Ertüchtigung und Sanierung von Filterhalle und Außenrohrleitungen aufgewandt.
Unten links sehen wir noch einmal die Filterwärterin Frieda Stephan in der Filterhalle in den 1970er Jahren. 1987 war sie - eigentlich längst Rentnerin - mit 78 Jahren noch immer im Einsiedler Wasserwerk tätig. Das Foto rechts gewährt uns einen Blick ins Innere der Filterhalle vom 22. März 2009.
(Foto unten links: Rainer Stephan)

1997
Das Pumpwerk wird komplett erneuert und Neubau der Förderrichtung zum Wasserbehälter Börnichen. Auf dem Foto rechts die Pumpenhalle von der Staumauer aus gesehen (22. März 2009), unten links von der Altenhainer Allee aus am 9. Juni 2008, unten rechts ein Blick ins Innere vom 17. Juni 2004.

1998
Für die Öffentlichkeitsarbeit geht ein sogenanntes “Wasser-Info-Center” in Betrieb.
 

2005
Eine Spülabwasserbehandlungsanlage (umgangssprachlich: Schlammabscheider) wird (von Polen) gebaut und in Betrieb genommen.

 

 

Foto rechts:
Die Anlage im Bau, 27. März 2005.

 


Foto unten:
Die Anlage am 9. Juni 2008. Das Spülwasser kommt aus einem Pufferbecken in den Behälter hinten rechts, dem sogenannten Rundabsetzbecken, danach wird es in den Dünnschlammbehälter vorne links gepumpt.
Foto unten rechts:
Im Inneren des Rundabsetzbecken, 22. März 2009.

 

 

2006
wird die Aufbereitungstechnologie erweitert.

 

2008
Ein Foto von der Filterhalle mit den angebauten Leitstand (Schaltwarte) am 9. Juni.

Abschließender Hinweis:
Das gesamte Wasserwerksgelände ist für Einzelpersonen nur an “Tagen der offenen Tür” zu besichtigen.
Allerdings werden Gruppenführungen (sechs bis 25 Personen) nach telefonischer Anmeldung (037209/6990412) gern durchgeführt.

 

 

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