Altenhainer Allee 2 
vormals Forstamt Einsiedel

Man schreibt das Jahr 1862, als die Herrschaft von Einsiedel ihre Wälder um Kemtau, Dittersdorf und Einsiedel an den Staat (d.h. Königreich Sachsen) verkaufte. Damit entstand das “Königlich-Sächsische Staatsforstrevier Dittersdorf” mit Sitz in Einsiedel an dem Grundstück, welches heute die Altenhainer Allee 2 ist.
Zuvor war an gleicher Stelle das Hähle-Uhlig-Gut, das 1860 abbrannte.

Für den zuständigen Oberförster und die anderen Angestellten errichtete der Einsiedler Bauunternehmer Karl August Funk (auch “Funck”) um 1870 in besagtem Grundstück das auf dem Foto weiter unten abgebildete Wohn- und Dienstgebäude.
Die nur wenig später gebaute und unmittelbar anliegende “Oberförsterbrücke” erhielt durch dieses Grundstück ihren Namen, der noch heute verwendet wird.

In der linken Aufnahme sehen wir das Gebäude aus Richtung Fischzucht, es ist deutlich in der Bildmitte zu erkennen. Das Foto stammt wohl aus den 1910er Jahren. 
(Foto: Thomas Schwebe)

 

 

 

 

 

 

Im Foto unten rechts sehen wir das Gebäude von der Straßenseite aus.
An einer Giebelseite war das Geweih eines Zehnenders angebracht, dem letzten, 1854 im damaligen Dittersdorfer Revier erlegten Rothirsch.
Im Parterre links war das Büro des Oberförsters, in der ersten Etage seine Wohnung. Auch unter dem Dach war eine Wohnung. Später, im Laufe des 2. Weltkrieges, war hier eine Flüchtlingsfamilie aus Litzmannstadt untergebracht.
(Foto: Ingobert Rost)

Unten links sehen wir das zum Zeitpunkt neue Forstgebäude auf einem Gemäldes des Landschaftsmalers Walter Leuteritz am rechten Bildrand (um 1875).

Um 1910 wurde die “Oberförsterei Dittersdorf” zum “Forstamt Dittersdorf” erhoben, um 1924 in “Forstamt Einsiedel” umbenannt zu werden. Die hier beschäftigten Forstbeamten waren für den Einsiedler Staatswald verantwortlich.
Bekanntester Einsiedler Forstmeister war wohl Georg Otto Mühlmann. Er leitete das Forstamt hier bis 1925. Mühlmann war aktiver Unterstützer und Mitglied im Erzgebirgszweigverein Einsiedel. Zahlreiche Forstwege ließ er zu Wanderwegen ausbauen. Der Zweigverein Einsiedel übernahm später die Wartung und Pflege eines Weges, der zwischen Wettinhöhe und Talsperre verläuft und in ehrenden Andenken “Forstmeister-Mühlmann-Weg” benannt wurde. Diesen Weg gibt es noch heute, allerdings findet man ihn so bezeichnet vorrangig in alten Karten. Siehe dazu im Buch “750 Jahre Einsiedel” die Karte auf Seite 60/61. An der Südost-Seite des “Hindenburgweges” (heute Talsperrenrundweg) verläuft parallel der “Mühlmann-Weg”.
Mühlmann wurde nach seiner Pensionierung 1925 Ehrenmitglied im Erzgebirgsverein und starb 1937 in seinem letzten Wohnsitz in Dresden-Loschwitz.
Seine Nachfolger als Einsiedler Forstmeister waren Paul Elsasser, Fritz Michel und bis 1945 Walter Rudolph.
 

Das Forstgebäude wurde durch den Bombenangriff am 5. März 1945 komplett zerstört. Die Forstverwaltung zog in die Barracke des nachmaligen Pionierlagers auf dem Dittersdorfer Weg und leitete von dort aus ihre Dienstgeschäfte.
Später wurden in der Sowjetischen Besatzungszone alle Forstämter aufgelöst und so war es dann der “Staatliche Forstwirtschaftsbetrieb Flöha”, der das Größere der beiden ehemaligen Hintergebäude wieder aufbauen ließ. Vor dem Kriege waren in diesen beiden Gebäuden Dienstwohnungen, Pferdestall und Werkzeuglager untergebracht.
Wir sehen das Gebäude auf dem linken Foto aus Richtung Herrmannstraße, die der Altenhainer Allee abgewandte Seite also. Die gesamten Wiesen vor und rechts des Gebäudes gehören zum Grundstück dazu.
(Foto: Haus & Grund Einsiedel)

Ein ausreichend breiter Streifen Grund und Boden vorn an der Straße wurde später an das benachbarte “Café zur Talsperre” verkauft um als Parkplatz Nutzen zu finden (...ist noch heute so).
Im Gebäude selbst befand sich auch nach dem Kriege im Erdgeschoss der Pferdestall und oben eine Wohnung, die an eine Familie eines Forstarbeiters vermietet war. Im rückwärtigen Anbau waren die Garagen. Diese wurden später durch den Förster Horst Neubert aufgestockt, um dort für sich Wohnraum zu schaffen. Später baute er dann auf der anderen Straßenseite ein größeres, als Busgarage genutztes Wirtschaftsgebäude zum Wohnhaus um und die Aufstockung hier wurde zurück gebaut.

Im hinteren Teil des Grundstücks befanden sich auf den Forstwiesen noch Stallungen für eine Geflügelzucht, welche einige Jahre intensiv durch das staatliche Forstwirtschaftsunternehmen betrieben wurde.
Es begann alles 1960 mit einer Putenzucht, die allerdings auf Legeleistung und nicht auf Fleischproduktion ausgelegt war. Die Eier wurden in eine Brüterei nach Flöha gebracht. Am Jahresende 1961 war damit Schluss. Ab Januar 1962 wurde nun hier Broilerzucht betrieben. Am 1. Tag eines jeden Quartals wurden 3.000 Eintagsküken aus der Brüterei in Mulda geliefert und in drei Monaten zur Schlachtreife gemästet. Dann kamen wieder 3.000 Küken. Die Jahresproduktion in den Einsiedler Forstwiesen lag somit bei 12.000 Broilern.
Diese Hähnchenmast endete im September 1968 mit der Entstehung des
KIM-Betriebes in Neukirchen. (KIM = Kombinat Industrielle Mast).
Auf dem linken Foto sehen wir die Puten in ihrem Auslauf.
(Foto: Siglinde Müller)

Nach der Wende kam das Grundstück in eine treuhändische Verwaltung, seit 2008 steht es zum Verkauf. Die Fotos zeigen das Gebäude am 15. Dezember 2007, es wird noch immer als Wohnraum genutzt.

Ich danke Siglinde Müller und Ingobert Rost, die viele Daten zu diesem Artikel beigesteuert haben.

 

 

Altenhainer Allee

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